Mit der Novelle des Baugesetzbuches (BauGB) sind Abweichungs- und zusätzliche Handlungsmöglichkeiten für Kommunen geschaffen worden. Für Kommunen bedeutet das mehr Gestaltungsspielraum, aber auch mehr Verantwortung in kurzer Zeit.
Gerade kleinere Kommunen mit schlank aufgestellten Verwaltungen stehen nun vor der Herausforderung, diese neuen Instrumente so einzusetzen, dass sie sowohl dringend benötigten Wohnraum ermöglichen als auch die langfristigen Entwicklungsziele der Gemeinde sichern. Wie lassen sich diese neuen Möglichkeiten strukturiert und vorausschauend nutzen?
Mit unserer Initiative Bau-Turbo kommunal möchten wir Ihnen hier eine sachliche Einordnung geben und Sie bei der Erarbeitung des nötigen Grundsatzbeschlusses für Ihre Gemeinde unterstützen, damit Sie Ihre Rolle im Rahmen des Bau-Turbos verantwortungsvoll wahrnehmen können. Dazu haben wir eine praxistaugliche Orientierungshilfe erarbeitet, die Sie kostenfrei nutzen können.
Durch die Gesetzesergänzung wurden drei zusätzliche Abweichungsmöglichkeiten geschaffen:
In allen Fällen setzt eine Baugenehmigung die Zustimmung der Kommune voraus. Damit liegen die Entscheidungsbefugnis und die Abwägungsverantwortung beim Gemeinderat oder den von ihm bestimmten Gremien. Gerade in kleinen Ortschaften, in denen Bauvorhaben unmittelbare Auswirkungen auf das Ortsbild und das soziale Gefüge haben, fällt diese Entscheidung besonders ins Gewicht. Das heißt für Sie: Es ist jetzt Zeit, klare Kriterien festzulegen, um Handlungssicherheit zu gewinnen.
Die beschlossenen Regelungen eröffnen insbesondere der Entwicklung des Innenbereichs neue Möglichkeiten. Einzelne Projekte können unter erleichterten Bedingungen umgesetzt werden, ohne dass ein vollständiges Bebauungsplanverfahren erforderlich ist.
Zusätzlich entstehen neue Abwägungsfragen:
Ein häufig unterschätzter Aspekt neuer Bauvorhaben sind die finanziellen Auswirkungen auf die Gemeinde. Gerade für kleinere Gemeinden mit begrenzten finanziellen Spielräumen ist das von besonderer Bedeutung.
Ein klar formulierter Grundsatzbeschluss trägt dazu bei, dass Sie…
Gerade bei Abweichungsentscheidungen ist es hilfreich, diese Fragen und Auswirkungen nicht pro Einzelfall neu beantworten und abwägen zu müssen, sondern sich auf einen definierten Rahmen berufen können.
Gerade in kleineren Kommunen verhindert ein festgelegter Rahmen, dass Einzelentscheidungen politisch oder finanziell zur Belastung werden.
Ein Grundsatzbeschluss ermöglicht es Ihnen, Zuständigkeiten und Bewertungskriterien vorab festzulegen. Er kann beispielsweise regeln,
Ein solcher Beschluss dient in erster Linie nicht der Verhinderung von Bauvorhaben, sondern der strukturierten Entscheidungsfindung. Damit schaffen Sie Transparenz gegenüber Vorhabenträgern sowie den Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig fördern Sie die Gleichbehandlung vergleichbarer Projekte.
Unsere Vorlage bündelt sinnvolle Kriterien aus bereits verabschiedeten Grundsatzbeschlüssen von Gemeinden. Sie erhalten eine strukturierte Musterformulierung für einen Grundsatzbeschluss mit einer übersichtlichen Liste an Kriterien, die Sie selbst anpassen oder ergänzen können.
Bestehende Strukturen und Baulücken werden vorrangig genutzt.
Außenbereichsflächen werden nur in begründeten Ausnahmefällen in Anspruch genommen.
Erschließung und Folgekosten gehen nicht zulasten des Gemeindehaushalts.
Neuer Wohnraum wird mit Blick auf Kita- und Schulkapazitäten sowie Mobilitätslösungen bewertet.
Resilienz, Entsiegelung, Hitzevorsorge und Einsatz nachhaltiger Materialien finden Beachtung.
Eine Vorlage für Ihren Grundsatzbeschluss. Die zip-Datei enthält ein PDF- sowie ein Word-Dokument, in das Sie direkt hineinarbeiten können.
Unser Anschreiben als PDF-Dokument, in dem Sie uns und unsere Motivation kennenlernen.
Die Veranstaltung richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunalpolitik und Verwaltung, Stadtplanung, Architektur, Wohnungswirtschaft, Umweltschutz und Zivilgesellschaft sowie an alle, die sich mit der Frage beschäftigen, wie zusätzlicher Wohnraum im Innenbereich entstehen kann.
Mit dabei:
Thomas Kölschbach
Bürgermeister verantwortlich für Stadtplanung, Stadt Überlingen
Der Bau-Turbo soll Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen und neue Möglichkeiten schaffen, zusätzlichen Wohnraum im Innenbereich zu realisieren. Doch wie gut funktioniert das Instrument in der kommunalen Praxis? Welche Chancen bietet es für Aufstockung und Nachverdichtung? Wo stößt es an seine Grenzen? Und welche Gefahren sind mit dem neuen Instrument verbunden?
Zwei kleinere Kommunen berichten aus der Praxis: Wie haben sie ihre Verwaltungsabläufe auf die neuen Möglichkeiten eingestellt? Welche Anwendungsfälle gab es bereits, welche Erfahrungen wurden mit Politik, Bürgerinnen und Bürger sowie Investoren gemacht? Was hat sich bewährt, wo entstehen zusätzliche Aufwände? Und unter welchen Voraussetzungen kann der Bau-Turbo tatsächlich dazu beitragen, mehr Wohnungen im Bestand und im Innenbereich zu schaffen?
Im anschließenden Ask Me Anything beantwortet Michael Halstenberg, ausgewiesener Experte für Baurecht, Fragen zur rechtlichen Anwendung des Instruments. Dabei könnte es unter anderem um die Rolle des Gemeinderats, die Bedeutung von Vorgesprächen und mögliche kommunale Leitlinien gehen. Die Fragen kommen aber letztlich aus dem Publikum.
Eine abschließende Podiumsdiskussion und die Publikumsphase bieten Raum, die bisherigen Erfahrungen einzuordnen, offene Fragen zu klären und die Potenziale und Grenzen des Instruments aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Wie wird der Bau-Turbo in den Kommunen tatsächlich angewandt? Welche Verfahren und Abstimmungsprozesse haben sich bewährt? Wo schafft das Instrument einen echten Mehrwert – und wo verursacht es zusätzliche Arbeit? Kann es Aufstockung und Nachverdichtung erleichtern und nachweislich zu mehr Wohnraum führen? Welche rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Hürden bleiben bestehen?
In unserer ersten digitalen Infoveranstaltung haben wir erklärt, was der Bau-Turbo ist und welche Implikationen er für die kommunale Ebene mit sich bringt. Wer entscheidet über Bauanträge auf Grundlage des neuen Bau-Turbos? Welche Chancen und Risiken liegen in den neuen rechtlichen Möglichkeiten? Wie kann die Gemeinde über städtebauliche Verträge ihren Gestaltungsanspruch geltend machen? Und welche typischen Anwendungsfälle gibt es? Darüber hinaus sind wir auf den Grundsatzbeschluss eingegangen, den unsere Initiative als Blaupause allen Kommunen zur Verfügung stellt. Nach dem einführenden Impuls gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
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Die Initiative Bau-Turbo kommunal wird unterstützt von: